Marbach - Schiller&Wein
Am Freitag, den 9.5. 2014 , machte ich mit den Großheppacher Landfrauen einen wunderschönen Ausflug in die Schiller - Stadt Marbach. Das Programm sah eine historische Stadtbesichtigung mit einer kleinen Weinprobe und einer gemütlichen Einkehr vor.
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| der Quadrant nach Tobias Mayer |
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| Gerhars Thullner und Iris Klöpfer |
Am Bahnhof angekommen, empfing uns Weinerlebnisführer Gerhard Thullner und führte uns zunächst zum Marbacher Quadranten, einem Meßgerät, um die Höhe von Himmelskörpern zu bestimmen. Er wurde anläßlich des 250. Todesjahres von Tobias Mayer (1723 - 1762), Professor der Mathematik, errichtet. Tobias Mayer benutzte einen solchen Quadranten in Göttingen für seine Sternenbeobachtungen. Insgesamt hat er ca. 1000 Sterne im Universum vermessen. Der Marbacher Quadrant ist 2 m hoch, überwiegend aus Messing und in Mechanik und Optik voll funktionsfähig.
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| Gasthof "Zum goldenen Löwen" |
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| Niklatorstrasse |
Dann ging es weiter durch die Niklastorstrasse, vorbei am Goldenen Löwen, dem Geburtshaus von Friedrich Schillers Mutter, Elisabeth Dorothea Kodweiß und einem Ensemble von denkmalgeschützten Fachwerkhäusern zumRathaus (1760-63), an dem das Glockenspiel seiner13 Glocken (seit 1997) erklang.
Wir folgten Herrn Thullner durch schmale Gassen am Interimsrathaus vorbei in die Holdergassen.
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| Weinprobe in der Holdergasse |
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| Holdergasse |
Hier machten wir Rast zu einer ersten Weinprobe mit ausgewähltem Secco Sekt (u.a. Blanc de noir) und den selbstgebackenen Schweinsöhrle der Gastfamilie. Herr Thullner gab uns eine ausführliche Einführung in die Sektherstellung, den Vorrausetzungen für die verschiedenen Sorten und beantwortete geduldig alle unsere Fragen.
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| aufmerksame Zuhörerinnen/er |
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| Stadtführerin mit Gerhard Thullner |
Danach begrüßten wir unsere Stadtführerin, die sich in der bürgerlichen Kleidung des 18. Jahrhunderts vorstellte: einfaches Tuchkleid, bereits hüftbetont, Korsett durfte nicht fehlen, Umhang, weiße Schürze, Haube. Sie berichtete sehr interessant von den Auswirkungen von Industrialisierung und französischer Revolution auf die Marbacher Bevölkerung im 18. Jahrhundert. Denn gerade die Holdergassen waren bevorzugtes Wohngebiet der ärmeren Bevölkerung, von Bauern und Weingärtnern, deren Wohnhäuser, klein und eng, auf der einen Straßenseite lagen und ihre Scheunen gegenüber. Ein Weinstock an jedem Haus diente dem eigenen Bedarf. Kanalisation gab es nicht. Die Abgaben an den jeweilig herrschenden Herzog waren hoch.
Die Stadtführerin berichtete spannend und ausführlich aus den sehr bewgten Leben der drei Herzöge, die für das Marbach des 18. Jahrhundert zuständig waren: Eberhard Ludwig (1693-1733), Karl Alexander (1733 - 1737) und Carl Eugen (1737 - 1793).
Ein Beispiel:1693 vernichtete ein Großbrand fast die ganze Stadt Marbach. Der Wiederaufbau ging aber nur schleppend voran, weil Eberhard Ludwig mit seiner Mätresse Wilhemine von Gräwenitz das Residenzschloß Ludwigsburg plante und 1704 den Grundstein dazu legte. Später entwickelte sich um das Schloß herum die Stadt Ludwigsburg.
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| Tobis Mayer - Haus |
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| Brunnen "der Wilde Mann" |
Nach so viel geschichtlichen Informationen ging es weiter am Tobias Mayer Haus vorbei. Er war der Sohn eines Wagners und erreichte ohne ausreichende Schulbildung hervorragende physikalische und mathematische Kenntnisse. Mit 28 Jahren wurde er bereits als Professor der Mathematik nach Göttingen berufen und übernahm dort auch die Leitung der Universitätssternwarte.Berühmt wurde er durch seine geographischen und astronomischen Forschungen und Mondtafeln. Sogar ein Mondkrater wurde nach ihm benannt
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| Stadtkirche |
An der Stadtkirche bewunderten wir das einzig noch erhaltene Renaissance Portal und die Abbildung des "Wilden Mannes". Die Legende erzählt, daß einst ein wilder (= freier, ungebundener) Straßenräuber von der Größe eines Riesen in einer Höhle, mit Weinreben umgeben, wohnte. "Von Bacchus hat er seinen Namen, von Mars selbst hat er ihn erhalten, fruchtbar an Feldfrüchten und reich an Schätzen".Bacchus und Mars wurden in einem Namen vereinigt. Sein Wohnort wurde also Marbach genannt und gedeutet - nach Mars, dem Gott des Krieges und nach Bacchus, dem Beschützer des Weins und der Weinseligen. Die Bevölkerung kam zu der Ansicht, daß diese Sagengestalt "der Wilde Mann Mars Bacchus" der Stadt nicht nur ihren Namen gegeben hat, sondern auch der Stadtgründer war.
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| Renaissance Portal mit "Wilder Mann" |
Vorbei ging es auch am Oberamtshaus, dem Geburtshaus eines weiteren berühmten Marbachers Bürgers: dem Rechtsgelehrten Dr. Carl Georg von Wächter (1797 - 1880).
Und so näherten wir uns dem nächsten Ziel für eine Rast, dem Burgplatz mit dem Oberen Torturm.
Der Burgplatz ist der älteste Marbacher Herrschaftsbezirk. 1290 erstmalig erwähnt.1989 wurde er neu gestaltet. Der Obere Torturm ist das ehemalige Stadttor nach Osten, der einzige erhaltene von drei Tortürmen in der historischen Altstadt und das älteste Wahrzeichen Marbachs. Heute ist ein kleines Museum hier untergebracht.
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| Burgplatz mit Oberer Torturm |
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| Ausblick vom Oberen Torturm |
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| Gerhard Thullner als Gastgeber |
Unser Aufstieg auf den 40 m hohen Turm erfolgte über 95 Treppenstufen. Oben angekommen, noch etwas außer Atem, wurden wir schon mit der nächsten Weinprobe empfangen, einem Riesling aus der Steillage, und gestärkt mit herzhaften Schinken- und leckeren vegetarischen Stückchen. Herr Thullner berichtete von den verschiedenen Weinlagen und den oft sehr schwierigen Bedingungen, unter denen die Weingärtner in früheren Zeiten arbeiten mußten im Vergleich zu heute.
Die Stadtführerin erzählte dagegen vom letzten Hexenprozess in Marbach. Er wurde 1736 vom damaligen Vogt gegen ein 13jähriges Mädchen geführt, die bis zu einem "Geständnis" gefoltert und ins Frauengefängnis überführt wurde.Das Stuttgarter Gericht prüfte den Vorgang, erkannte die Unschuld des Mädchens und brachte sie in einer Besserungsanstalt unter, in der sie eine Ausbildung erhielt. Der Vogt wurde bestraft und mußte die Kosten des Verfahrens zahlen!
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| Schillers Geburtshaus mit Museum |
FachwerkensembleNachdem wir uns noch mit einem Trollinger

aus der Steillage gestärkt hatten, ging es gut gelaunt wieder die Niklastorstrasse hinunter zu Schillers Geburtshaus, in dem heute das Schillermuseum seine Heimat gefunden hat. Friedrich Schiller wurde hier am 10.November 1759 als Sohn des Offiziers und Wundarztes Johann Caspar Schiller und dessen Ehefrau Elisabeth Dorothea Schiller geb Kodweiß geboren. 1764 zog er mit seiner Familie nach Lorch und 1766 nach Ludwigsburg. Sein Geburtshaus wurde erst 1812 entdeckt und ist seit 1859 im Besitz des Marbacher Schillervereins, der 2009 mit einer umfangreiche Schiller Ausstellung an die Öffentlichkeit trat.
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| Abschied im Gewölbekeller |
Zum Abschluss führte uns Herr Thullner unter die Stadt Marbach, wo wir in einen gut ausgebauten und renovierten Gewölbekeller einem wunderbaren Trollinger mit Lemberger genossen . Wir verabschiedeten uns sehr herzlich von unserem Weinerlebnisführer und unserer Stadtführerin, die uns einen sehr eindrucksvollen Nachmittag bereitet hatten.
Herzlichen Dank auch an Iris Klöpfer vom Landfrauenverein Großheppach, die diesen Ausflug so gut und kompetent organisiert hat. Ich hatte im Gespräch mit den anderen Gruppenteilnehmerinnen und -teilnehmern den Eindruck , daß diese Kombination von historischer Stadtführung und einer Weinerlebnisführung außerordentlich gut gefallen hat. Ich würde mich jedenfalls über eine Wiederholung sehr freuen.
Liselott Leye Großheppach, 16.5.2014